Ich hatte am Freitag mein zweites Weihnachten… WAHNSINN! Freitag war hier in Nürnberg Flohmarkt und ich als alter Flohmarkt-Muffel, der erst durch seine Freundin die wahre Pracht eines Flohmarkts zu schätzen gelernt hat wollte natürlich in erster Linie sein Gameboy-Equipment aufstocken. Oberste Priorität hatte demnach der Kinder-Flohmarkt, dessen Anblick mitterweile von Pokemon und Bob der Baumeister beherrscht wird ;-) Daher war ich umso mehr überrascht und entzückt zugleich als eine Mid-40erin mit Kippe im Mundwinkel und Kind am Arm die Spielsachen Ihrer 7 Kinder für 50 Cent pro Stück rausballerte… Alleine Ihr Auftreten und Ihr Erscheinungsbild war mit schon 50 Cent wert… Ich dachte immer, dass es so etwas nur im Fernsehen gibt. Da meine Grenzen zwischen Realität und Medienwelt eh am verschwimmen sind, nahm ich dieses Antlitz als “selbstverständlich” hin und kaufte ohne Skrupel diesen Gameboy-Koffer, der übrigens mit Game-Boy-Licht und Link-Kabel bestückt war. Von der Einkaufs-Euphorie gepackt gings dann weiter Richtung Lorenzkirche. Auf der Höhe vom Atlantis-Kino gabs dann das nächste Highlight; Wir wechseln in die Kategorie Gameboy-Spiele: Wow, Tetris, Tennis & Rytpe… als ich die Cartridges da liegen sah, lief im Kopf bereits der passende Score-Soundtrack mit einer Mischung aus der dunklen Rtype Melodie und den zwei ins Hirn gezimmerten Tetris Takten. Hirn schrie “KAUFEN”.. gesagt, getan!
Und jetzt gehts in die Kategorie “Ersten kommt es anders und zweitens als man denkt”… Stehen wir da immer noch so blöd zwischen Hauptmarkt und Lorenzkirche rum, kommt ein Typ mit nem Panton in seinen Händen. Sein Gesichtsausdruck zeugte von einem kürzlichen Endorphin-Ausstoß und als ich den Kollegen dann ansprach um zu fragen, wo er denn den Stuhl gekauft hat, brachte ich einen Damm zum Brechen. Nach fünf minütigem Monolog seinerseits, wusste ich was zu tun war: Runter zum Hauptmarkt und den verschissensten Stand suchen, den der ganze Flohmarkt zu bieten hatte. Dort nämlich sollte ich was meine Panton-Suche anging fündig werden. Und so wars dann auch… Absolut beschissener Stand mit absolut beschissenen Verkäufer mit einen unter Decken versteckten Panton… Da ich aber auch eigentlich ein recht beschissener Zeitgenosse bin, konnten wir uns auf einen echt beschissenen Preis (für Ihn) einigen ;-) Das Verhandlungsgeschick der Kirschners ist nämlich so gut, dass sich die Frauen an unsere Seite meist vor Scham wegdrehen bzw. verstecken oder dem Verkäufer einfach ein hilfloses Lächeln zukommen lassen. Hilft alles nix! Letzendlich war ja ich der Gewinner des Tages! HELL YEAH, ich hab nen original Panton neben mir stehen! Vitra geh doch heim! … und raus







Ulli 12:28 on 11. Mai 2009 Permalink
Mein Mann hat vergessen zu erwähen, dass wir dann am Samstag seinen Panton (übrigens ein Geschenk von mir) bestimmt 5 Stunden auf Hochglanz poliert haben- und es hat sich so gelohnt!
joehanc 12:33 on 11. Mai 2009 Permalink
stimmt… das hab ich ganz vergessen zu erwähnen… aber Ulli, würde ich jedem Geschenk einen Blogeintrag widmen, würde hier nix anderes mehr stehen ;-)
Und übrigens bin ich auch ein verdammt guter Schenker, wenns drauf ankommt!
Rollers 12:47 on 11. Mai 2009 Permalink
Hihi, äußerst amüsant.
Hilflosigkeit ist glaube ich das Stichwort. Weder Verkäufer noch Begleitung haben irgendeine Chance, kontrollierend auf die Situation einzuwirken. Käufer und Objekt der Begierde sind bereits eine Einheit bevor sie überhaupt begreifen können was da gerade passiert. Und dann heißt es “Vorhang auf!” für Captain Verhandlungsgeschick!
Rollers 13:06 on 11. Mai 2009 Permalink
Der Gameboy-Koffer ist übrigens auch high-end. Ich hab jüngst auch mal versucht, herauszufinden wo mein Gameboy eigentlich ist und welche Spiele ich noch hab. Das ist mir allerdings bislang nicht gelungen. Ich erinner mich nur, dass ich Super Mario Land, Dr. Mario, Tetris, Simpsons Escape from Camp Krusty und Super RC Pro Am haben muss. Die Frage ist nur wo der ganze Kram vor sich hin gammelt.
joehanc 13:34 on 11. Mai 2009 Permalink
@Rollers: Der Koffer ist echt die Krönung! Das Ding hat mich zu dem gemacht was ich heute bin… Ein verbittertes, neidisches Konsumopfer! Mann, hab ich die “Freunde” früher für diesen Koffer gehasst. Hab ich eigentlich schonmal erwähnt, dass ich aufgewachsen bin wie ein Hund….
Ich habe es noch vor Augen als wäre es gestern gewesen: 1990, erste Pause in der Aula des Gymnasiums Lauf an der Pegnitz. Gegenüber von Sörgels Pausenverkauf packt Florian H. seinen Gameboy, den er damals von seiner Oma aus Amerika bekommen hatte, aus diesem sagenumwogenen Koffer aus… Nicht dass der Gameboy schon gereicht hätte…nein… auch noch dieser Koffer… mit Lupe und Battery-Pack… Binnen kürzester Zeit bildete sich eine Traube von Fünfklässlern um den Florian, die alle versuchten einen Blick auf das Objekt der Begierde zu erhaschen… Das Spiel – in diesem Fall Mario Land – war nebensächlich; alleine das Gerät und die Peripherie reichten aus um circa 100 Kindern (darunter auch ich) den Tag, die Woche zu versauen… Um dem damaligen GB Mainstream gegen zuwirken kaufte ich und mein Bruder ein Jahr später Segas “handlichen” GAMEGEAR… Da gabs auch Batterypacks und Taschen, aber die kamen halt leider nie an diesen Koffer ran… 29 Jahre später hat das Schattendasein ein Ende! Ich bin jetzt auch im Club, ich hab jetzt auch einen Gameboy-Koffer! Hörst Du Flo! Ich hab jetzt auch einen!
slowmo 14:03 on 11. Mai 2009 Permalink
Die Story is nen Film wert, würde ich sagen.
Rollers 14:23 on 11. Mai 2009 Permalink
Wenn man seinen Gameboy mit den ganzen Lupen, Lichtern, Batterypacks und Co. bestückt hatte musste man ihn zwar auf einem kleineren Mitschüler abstützen, war aber ausrüstungsmäßig weiter vorne als die Ghostbusters.
Ulli 09:13 on 12. Mai 2009 Permalink
Ich kann mich überhaupt nicht satt sehen!